3. Die Herausforderungen liegen im Detail - einen Einblick in den anfänglichen Mama-Alltag

05.06.2020

Inzwischen sind wir knapp zwei Monate in Adelaide zu Hause. Es fühlt sich noch eher als verlängerter Urlaub an, weil wir auch noch im Airbnb wohnen und somit noch kein gefühltes Zuhause haben. Auch der Lockdown ist noch nicht spurlos vorbei. Es ist weiterhin schwer, mit einheimischen Familien in Kontakt zu kommen. Meine liebe Schwester ist immer sehr direkt und kommentierte ein Bild, das ich in den Familienchat stellte mit "sieht sehr schön aus, aber einsam". Sie trifft es absolut auf den Punkt. Es gefällt uns sehr gut, aber es ist ungewohnt einsam. Zuvor mit ausgelasteter Agenda - unterwegs in diversen Vereinen, bei der Familie und Freunden wöchentlich oder auch täglich auf Besuch... -  und dann einfach null und nichts.

Da besonders ich ziemlich mit den Herausforderungen des fremden Alltags beschäftigt war, war es mir anfänglich auch gerade recht, nicht zu viele Termine zu haben.

Was sind solche Herausforderungen des Alltags?

Eigentlich sind es ganz banale Dinge, von denen man den Ablauf noch nicht genau kennt und alles ein erstes Mal erleben muss. Solche neuen Situationen, egal wie banal sie auch scheinen, lösen bei mir immer Unbehagen aus. Sind sie aber dann geschafft, bin ich total stolz auf mich oder auch auf unsere Familie. Es beginnt schon bei einfachen Tätigkeiten wie Pakete zurück senden, Entsorgungen vornehmen, Bücher ausleihen oder auch einfach nur einkaufen.

Ein Beispiel: mit Baby und Kleinkind einkaufen gehen: Die Fahrt mit dem Auto auf der linken Spur braucht für mich noch sehr viel Konzentration. Diese Fähigkeit wird zusätzlich geprüft, weil gerade unser 3.5-Jähriger inmitten der "Warum, Weshalb, Wieso" - Phase steckt. Während einer Fahrt hat er eine gefühlte Million Fragen, die er sofort beantwortet haben möchte.

Das Parkieren ist mein erstes Trauma, denn leider schaffte ich es bei meiner ersten Fahrt einen Parkschaden zu machen. Im Laden angekommen entdeckt der Sohnemann die kleinen Einkaufswägelchen, anfänglich habe ich Freude, denn damit ist er beschäftigt - denke ich. Er möchte mir helfen und frägt mich jedes Mal, ob wir das nicht auch noch benötigen. Natürlich finde ich nicht die Produkte, die ich suche - ich beschränke mich auf das Notwendigste und diskutiere parallel bei den meisten Produkten mit meinem lieben Jungen, warum wir das nun gerade nicht brauchen. Ich versuche mich zu konzentrieren, um herauszufinden wo ich das frische Gemüse abwägen kann - aha ich muss das gar nicht abwägen. Ich stehe für ein paar Minuten an der Theke bis ich merke, dass ich für diese Theke eine Nummer ziehen muss, um bedient zu werden. Wo finde ich den Wein? - Dafür muss ich in einen anderen separaten Einkaufsladen gehen.

Das Baby möchte natürlich JETZT getragen werden und zeigt diesen Wunsch ganz klar. Einhändig mit Einkaufswagen navigiere ich nun durch die engen Regale. Ich ärgere mich, dass ich die Trage im Auto gelassen habe. Oje, die Fahne am kleinen Einkaufswägelchen räumt gerade das ganze Regal mit Glassaucen aus und natürlich gehen diese kaputt. Meine Smartuhr gibt schon länger den Alarm, dass ich mich beruhigen solle - was für eine Ironie. An der Kasse angekommen werde ich freundlich empfangen mit "Hi, how are you and how was your day? Gerne hätte ich meinen Blick gesehen.

Aber dann kommt die überraschende Wende. Es ist ganz normal, dass die KassiererInnen für die Kunden den Einkauf einpacken und ich kann einfach nur zusehen und mich richtig entspannen. Allgemein machen es uns die Australier sehr einfach. Ich bekomme keine bemitleidende oder sogar abwertende Blicke. Nicht einmal für den Schaden den wir gemacht haben lassen sie mich aufkommen. Im Gegenteil, immer wieder bekomme ich aus dem Nichts Komplimente, wie toll ich es als Mama mache und was für süsse Kinder ich doch hätte. Es wird mir bewusst, dass solche liebevollen und authentisch gemeinten Bemerkungen eine unglaublich tolle Wirkung haben. Ganz beflügelt gehe ich aus dem Geschäft und bin ganz schön stolz auf mich - auch wenn es "nur" ein Einkauf war ;)

Trotzdem bin ich froh, dass öfters mein Ehemann nach der Arbeit kurz einkaufen gehen wird.